In
meiner Deutung der einzelnen Familiennamen hatte ich unter Linto:
Lindt,
als den Sanftmütigen (1254) bezeichnet.
Das
muss ich wohl ergänzen, bzw. ändern!
Nach
verschiedenen Hinweisen in der Literatur über die Genealogie
im Sauerland bin ich des Öfteren auf Namen ähnlich
Linto gestoßen. So wurde von einem Diedrich
von Lintelo um 1682 geschrieben: "hat 1682 das Haus
Cobbenrodt incl. Fischerei von Herrn von Schade gekauft".
Eine Anna Catharina de Lintelo wird als Patin bei der
Taufe von Cath. Marg. Rath in Oedingen unter dem 28.4.1698
genannt. Ebenso ist eine Frau von Lintelo am 30.05.1633
als Patin bei der Taufe von Johann Ludwig von Lürwald
aufgetreten.
Immer
wieder gab es den Hinweis im Zusammenhang mit dem Namen Linto,
Lintelo, Lintloe oder Lintho auf das Haus Valbert.
Durch
liebe Freunde aus Eslohe bin ich an Unterlagen über die
"Keimzelle" der deutschen Familie Linto gekommen. Hier
nun die für mich erstaunlichen Informationen über
meine Vorfahren mütterlicherseits:
Das
Rittergut Valbert, nahe bei Oedingen gelegen, existiert heute
nicht mehr. Im 15. und 16. Jahrhundert war es im Besitz der
Familie Rump.
Am
4. März 1601 heiratet die Erbin des Gutes, Elisabeth
Rump den kurfürstlich kölnischen Kammerherrn Johann
von Lintelo und somit geht das Gut in den Besitz derer von
Lintelo über. Das Rittergut "Haus Valbert" wird in
der "Westfälischen Geschichte" (Lemgo, 1760 von Johann
Diedrich von Steinen) als das im Amte Fredeburg gelegene
Stammhaus der alten Familie von Lintelo, Lintel, Lintloe
bezeichnet.
Der
Ursprung, der in Haus Valbert begründeten deutschen Keimzelle
derer von Lintelo liegt in den östlichen Niederlanden,
in der Grafschaft Zutphen.
Hierher
stammt Johann von Lintelo. Seine Eltern waren: Eberhard
von Lintelo zu der Maeß und Mechthild von der Vene.
Die
Grafschaft Zutphen wurde am 7.9.1543 durch den Venloer Vertrag
in die niederländischen Erblande einbezogen und festgeschrieben.
Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte die Grafschaft Zutphen
und das Herzogtum Geldern zum Besitz Herzog Wilhelm V. von
Cleve. Dieser wurde allerdings durch die Eroberung der o.g.
Gebiete von Karl V. verdrängt.
Ein
möglicher Grund für die Eingliederung der von Lintelo
in's Sauerland könnte in der Ausweitung des Calvinismus
in den Niederlanden - gerade im 16. Jahrhundert - gelegen haben.
In
dieser Zeit kämpften die Calvinisten um ihre Privilegien
unter dem Nachfolger von Karl V., nämlich König
Philipp II.
Ein
großer Teil der politischen Opposition des eingesessenen
niederen Adels trat zum protestantischen Glauben über.
Man gründete den "Adelsbund", der für Glaubensfreiheit
eintrat.
Die
politisch-wirtschaftlichen und religiösen Unruhen sollten
durch den Generalstatthalter Herzog Alba mit Waffengewalt
unterdrückt werden. Herzog Alba war von Philipp
II. entsandt worden. Er setzte ein Sondertribunal ein, dass
durch härteste Urteile Ruhe im Land schaffen sollte.
Die
Lintelo's waren Erzkatholiken, die auch im 30jährigen
Krieg in der "Katholischen Liga" für ihren
Glauben kämpften. Hier scheinen die Gründe für
das Verlassen der niederländischen Terretorien zu liegen.
Ein
zusätzlicher Hinweis auf die sehr katholisch ausgerichtete
Lebensweise und Einstellung derer von Lintlo geht weit
zurück in's 13. Jahrhundert:
Dort
wird Svicerus de Lintlo erwähnt. Dieser stand in
churcölnischen Hofdiensten und war bei der cölnischen
Ritterschaft aufgeschworen.
1218
ist Svicerus de Lintlo beim 5. Kreuzzug mit Adolf
Graf von Berg bei der Belagerung von Damiete (heute: Damietta)
im Nildelta dabei.
Der
5. Kreuzzug von 1217 bis 1221 wurde von König Andreas
II. von Ungarn und Herzog Leopold von Österreich
geführt, die im Spätsommer 1217 von Split aus in's
Heilige Land aufbrachen. Von Akkon führten sie drei erfolglose
Expeditionen gegen die Sarazenen durch.
Im
Sommer 1218, so wird erwähnt, ziehen die verbliebenen Kreuzfahrer
- nach Rückkehr König Andreas - zusammen mit
niederrheinischen (die Grafschaft Zytphen liegt am Niederrhein!)
und friesischen Seefahrern, welche sich auf dem Weg nach Palästina
an Kämpfen in Portugal beteiligt hatten, gegen das im Nildelta
gelegene Damiete. Nach längerer, verlustreicher Belagerung
fällt Damiete am 5. November 1219. Doch bereits am 8. September
1221 geht die Stellung wieder verloren.
Svicerus
de Lintlo ist anscheinend heil wieder zurückgekehrt.
Er wird unter dem 22. November 1266 erwähnt, als er in
Gegenwart Margaretha Gräfin von Berg auf alle seine
Renten aus dem Hofe Lintlo zu Gunsten des Stifts Severin
in Cöln verzichtet. - Aus welchen Gründen auch immer.
-
Zur
Zeit der Hochzeit (1601) des Johann von Lintelo mit der
Elisabeth Rump war das Haus Valbert bereits arg verschuldet.
Zwischen den Familien von Lintelo, zu dieser Zeit Herren
auf Haus Valbert, und Rump entbrannte ein Jahrzehnte
dauernder Streit um die Belehnung mit dem halben Freistuhlgericht
Oedingen.
Der
Sohn aus der Ehe der Elisabeth Rump und des Johann
von Lintelo: Timan Dietrich von Lintelo trat das
Erbe an. Geboren ist Timan Dietrich um 1602/1603. Im
Jahr 1628 wurde der Übergang von Johann zu Timan Dietrich
vollzogen.
In
Urkunden aus dieser Zeit ist die Rede vom Obristen Timan
Diedrich von Lintelo. Dieser militärische Dienstrang
ist bisher nur für Timan festgestellt worden (vergl. "Dillenburgischer
Feldzug auf Haus Valbert", Martin Vormberg, 1998, S. 195/196).
Der Vater wird in einem Erbauseinandersetzungs-Vertrag als Rittmeister
bezeichnet. Also war auch er Offizier. Über den Tod des
Johann von Lintelo am 30. Januar 1628 heißt es
im Hallenberger Stadtbuch 2 dazu:
Im
Januario, als der Herr rittmeister Johan von Lindtloh
in Underhessen sein quartier gehatt und schwachworden, hat derselbig
eltliche reuter neben einem kutschwagen ins ampt Bilstein naher
seiner behausung abgefertiget, haben zum Hallenbergh im an-
und abzug verzehrt 9 rtl. Item als kurz darnach vorgemeltes
rittmeisters Johann von Lindtloh toder leichnamb in einer
kutschen mit acht reutern durch statt Hallenbergh gefuhrt worden,
im zurück verzeret 8 rtl.
Timan
von Lintelo heiratet 1628 Susanne Spiegel zum Desenberg,
Tochter des Hermann Spiegel zum Desenberg. Aus dieser
Ehe gingen zwei Söhne hervor:
- Johann
Hermann Friedrich von Lintelo
und
- Christian
Ludwig von Lintelo.
Über
die militärische Karriere Timans mutmaßt M. Vormberg
in seinem Aufsatz (Dillenburgischer Feldzug auf Haus Valbert,
Hintergründe zu Plünderung und Brandschatzungen im
Amt Bilstein 1634/1635), dass er wohl auf eigene Kosten Reiter
oder Fußknechte angeworben habe. Dies war damals eine
übliche Methode, die einen Aufstieg in der militärischen
Laufbahn begünstigte. Auf jeden Fall ist sicher, Timan
Dietrich von Lintelo wurde 1628 als kaiserlicher und ligistischer
Rittmeister des Linteloischen Regiments und ab 1632 als Obrist
bezeichnet. Er war dem kaiserlichen General Graf von Tilly
unterstellt.
Über
seine Einsätze bei Militärzügen gibt es nur vereinzelte
überlieferte Nachrichten. So erhielt er am 30. Januar 1632
von Graf Pappenheim den Auftrag, 5 Kompanien Soldaten
zu Fuß, jede Kompanie 200 Mann stark, in 10 Wochen aufzustellen
und ihm zuzuführen. Am 10. Februar 1632 befahl Graf
Pappenheim dem Obristen mit seiner Truppe nach Wiedenbrück
zu marschieren und sich dort gemäß der Tillyschen
Ordnung verpflegen zu lassen.
1633
erhielt er von Albrecht Herzog zu Friedland/Wallenstein
den Befehl, ein Regiment von 500 Arkebusiern [Arkebuse = im
15. Jh. als Hakenbüchse zur Handfeuerwaffe mit Luntenschloß
entwickelt.] anzuwerben. Wallenstein wurde am 25. Februar
1634 ermordet. Es könnte sein, dass dieser Befehl nicht
mehr wirksam wurde.
Am
9. Juni 1635 bekam Timan von Lintelo von Generalleutnant
Feldmarschall und Obrist Graf Gallas einen Pass für
die beabsichtigte Reise in die Grafschaften Nassau und Wittgenstein.
Am
16. Juni 1635 wurde Timan Dietrich von Lintelo in Haus
Valbert ermordet. Sein Gut wurde geplündert, wobei seine
Frau und seine Söhne unbehelligt blieben. Hieraus hat sich
die Sage über einen Komplott seiner Ehefrau mit den Mördern
gebildet:
"Etwa
eine halbe Stunde westlich von Oedingen liegt das adelige Haus
Valbert, Stammsitz der Familie Lintloe, nach der es ehemals
auch benannt wurde. Das alte Lintloesche Haus ist heute längst
abgebrochen, und der Platz, auf dem es gestanden, heißt
nach dem späteren Besitzer "Kettlers Platz". Aus diesem
alten Haus stammte der kaiserliche Obrist von Lintloe,
der im dreißigjährigen Kriege als Generalwachtmeister
in Westfalen sehr bekannt und gefürchtet war, da er Westfalen
mit seinen Scharen kreuz und quer durchzog und Städte und
Dörfer brandschatzte. So ist es erklärlich, wenn er
in Westfalen nicht das beste Andenken hinterlassen hat und des
Volkes Geisterglaube sich seiner Person bemächtigte. Er
spukte, wie die Sage geht, nach seinem Tode auf dem Hause Valbert
in so arger Weise, daß er in den nahen Wald gebannt werden
mußte, aus dem er jährlich nur um einen Fuß
lang dem Hause wieder näher rücken darf. Man hoffte
in der Gegend, daß er, bevor er das Haus wieder erreicht
hat, erlöst und dann des ferneren Umgehens enthoben sein
werde. Die Sage beschäftigt sich in der Gegend noch immer
mit ihm; sie nennt ihn den starken Lintloe, weil niemand
ihn zwingen konnte. Diese Stärke verdankte er angeblich
einer Zauberhose, wovon nur seine Frau wußte, so ließ
sie sich auf einen Anschlag der Feinde gegen ihn ein. Als er
sich einstens in der Christnacht zu Bett gelegt hatte, gab sie
ihnen durch das Spielen eines Instrumentes das verabredete Zeichen.
Die Verschworenen drangen nun plötzlich auf ihn ein, ehe
er die Zauberhose anziehen konnte, und ermordeten ihn, bevor
er sich mit Gott versöhnt hatte. Das ist der Grund, warum
er so lange spukend umgehen muß, ohne Ruhe zu finden."
Sagen
haben gewöhnlich einen historischen Kern...
Dass
dieser Mord aber eine gezielte Aktion seiner Feinde, u.a. des
Grafen Ludwig Heinrich zu Nassau-Dillenburg, war, geht
aus mehreren Quellen hervor:
1.
Pfarrarchiv Elspe:
"Voledell Gestrengh und Vester Tilman Dietrich von Lintelo
wolbestalter Obrister über ein Regiment Curassire am eigenen
Hause von seinen fiegeden (Feinden) todt geschossen."
2.
Im Archiv Vasbach befindet sich ein Hinweis auf dieses Ereignis
in Notizen über den 30jährigen Krieg. Es ist dort
zu dem Überfall auf Haus Valbert vermerkt:
"A(nn)o 1635 die 16. Junii ist der fiendt in die 300 sta[...]vngefer
vnder dem Commando Grafflicher Gnadt von Dillenburgh
offs hauß Falbert gefallen, selbst gantz ausgeplundert
vnd den herren Obristen de Linthlo Thima[...] Theodorum
todt geschossen."
Hier wird deutlich, dass die Tat unter der Leitung des Grafen
Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg stattgefunden hat.
3.
Ein weiteres Dokument mit dem Beweis, dass die Witwe Susanne
Spiegel zum Desenberge nicht im Komplott mit den Mördern
stand, ist die notarielle Besitzergreifung des Stuhlgerichts
Oedingen, wie Notar Henrich Linnenkampf am 22. Juni 1635
berichtet:
"... auf dem adelichen hause zu Rumpertsfalbertt zwischen zwelff
und Ein Uhren zu Mittagh vor mir Kaiserlichen Notario die WolEdell
und Tugentreiche Susanne Spiegell zum Desenberg schwaches
liebeß auff ihrer gewonlichen betstatt sitzendtt erschienen
ist, und nach deroselben vielgeliebten gemalß saligh feiendtlichen
und Tyrannischen Mordtß und unzeitigen Todtß lamentation
und beklagungh angeben..."
Hier
spürt man aus den Worten eher die Trauer der Witwe als
bösartiges Handeln zusammen mit Feinden ihres ermordeten
Mannes.
Bei
den Motiven zur Ermordung des Obristen muss man die Zeit des
30jährigen Krieges und die damit verbundenen Lasten der
gesamten Bevölkerung durch vagabundierende Soldaten beider
Seiten durch ihre Dörfer berücksichtigen. Aus dem
Stadtbuch 2 der Stadt Hallenberg geht hervor, mit welcher Härte
der Obrist von Lintelo Kontribution einforderte:
"Am
11. huius [Januar 1634] kamen auf ausgeschribene einladung des
jungen obristen von Lintelo die Hessischen commissarii
anhero in sehr ungeschlachtem regenwetter, furderten primores
des rats unten ins rathaus, protestirten, das sie wegen des
uberflutigen gewassers und unbendigen gewitters nicht ferner
kommen konnten, baten ihres erscheinens uf den noturftsfal attestation
und kehreten wiederumb zurück. Bald hernach wird Lintelo
cassiret und mit seiner neuen werbung einzuhalten befehlicht.
Hirbei
zu gedenken, daß bemelter Lintelo albereit Winterberg
und Schmallenberg ad contribuendum gezwungen, auch effective
in Schmallenberg sich einlogiret und in diesem monat zwei citationes
an die alhisige stat aufgeschrieben, indeme auch vorhabens gewesen,
mit seinem anhang das quartir hirselbst zu nehmen, welche furi
aber immittels mit schimpf per scripta abgewehret und durch
seine cassation endlich und gar erloschen."
"Am
22. Januarii [1634] werden uns an einem tage 2 citationes wegen
vermeinter und uns ohnbillich angesunnener contributionsrestanten
anpraesentiret, eine von Lintelo, die ander von Albrechten
von Loen, mit starke betrohung..."
Aus
den zwei folgenden Briefen ist ebenfalls die Art der massiven
Drohung des Obristen herauszulesen:
Brief
des Obristen Timan Dietrich von Lintelo an die Beamten
der Grafschaft Wittgenstein in Laasphe vom 7. Juni 1635 (Fürstlich
Wittgensteinisches Archiv: Akte M 27, fol. 60)
"Ehrentueste
uorachtbare ihnsonders ghutte Heren undt freunde, der Heeren
Schreibens ist mhir zu recht Eingehendiget. Uorhalte den Heren
daer auff nitt, das es mitt Schreibens nitt aus gerichtet als
gelanget ahn die Heren zum ubrigen, sei wollen bis zu kommenden
Montag wilcher wirdt sein der 11. Junii idz lauffenden Monats
ahnhero ahm mheiner behaußunge erscheinen, interim aber
geldt, haber und heu zusammen bringen laßen, ihnwidrigen
werden die Heren sich uersiggeren, das ich sei nitt allein mitt
der execution besagen will sonderen mitt fheur undt Schweerdt
welches den Heren ihn eill unuerhalten wollen undt uerbleibe
Valbert den 7. Junii A(nno) 1635 der Heren dienstwilliger Timan
Theo(deerich) de Lintelo Ob(rist)"
Kopie
eines Briefes des Obristen Timan Dietrich von Lintelo
an Christian Kauffmann, Berleburg, vom 15. Juni 1635.
(Fürstlich Wittgensteinisches Archiv: Akte M 27, fol. 80)
"Ehrenvester
vornehmer Insonders guter Herr vnd Freundt,
Es
thutt mich sehr verwundern, d(a)ß ihr die bewuste gelter,
vnserm gethanen abscheid nach, mir nitt lieffern und zustellen
thut.
Zu
deme auch kombt mir seltzsam vor, d(a)ß die Beambt(en)
also nachlessig und hartneckigt sich einstellen. Wirdt dessenwiell
nicht die vrsach sein, d(a)ß der Kleine Michaell mitt
seinen gesellen vnf Schnaphanen daselbst vnd durch die benachbarten
ortter vagiren vnd herumbschrebens thutt.
Wan
nun dieselbigen zum vberflussigsten ermahnet sich nitt also
halt vnd erster Stunden bey mich verfuegen vnd der gepuer einstellen
werden, werde ich ein Exempell am ganzen Landt zu statuiren
genöttiget werden, d(a)ß Kindtskinder vber den zu
clagen und zu schreyen haben, vnd werden mich darinnen vnverdacht
halten, dan ich sie zum öfftern ermahnet habe, verpleibe
vnder dessen mitt erwarttung Resolution vnd liefferung der gelter.
Raptum
Valbert den 15. Junii ao p 1635 deß Heren freundwillig(ster)
Timan Theoder(ich)Obrist
Ihr
Leutt machet Euch eine
rutte vor Euch selbsten
An Christian Kauffmann
Burgern zu Berleburgh
In
den Kriegsakten des "Alten Dillenburger Archivs" finden sich
einige handschriftliche Nachrichten über den ermordeten
Obristen von Lintelo. Z.B.:
"NN
an NN, 1635, Mai 4.
Man
kann sich von wegen der Grafschaft [Nassau-] Siegen mit dem
zu Bilstein liegenden Obristen in nichts einlaßen, weil
die Grafen von [Nassau-] Siegen weder mit dem Kaiser
noch mit Schweden etwas zu thun haben.
Dem
General Timar Diderich von Lindeloh, welcher ein Cöllnisches
Curassier Regt. aufstellen soll, wird die Grafschaft Wittgenstein
und Berleburg zum Muster- und Sammelplatz angewiesen.
Graf
von Hatzfeld an die Nassau-Siegenischen Räte 1635.
Dem
General Lindeloh ist nichts zu erstatten. Er kann ohne
den Cöllnischen Ausschuß nichts tun.
Commissar
von Grisheimb an die Nassau-Siegenischen Räte, Obernkirchen,
1635, Juni 1. Ist im Begriff die Trouppen auf Amoeneburg zu
bringen. Mit dem Obrist Lindeloh sollen sie sich in der
Güte abfinden. Diese schicken darauf auch jemand an denselben
und offeriren 500 Reichsthaler für den Abstand seiner Forderung."
Man
erkennt, dass von Lintelo bestrebt war, im Mai/Juni 1635
die Grafschaft Sayn-Wittgenstein als Sammelplatz für die
Aufstellung eines Reiterregiments zu benutzen.
Es
ist hier zwar von dem General von Lindeloh die Rede.
Vieles spricht aber dafür, dass es sich um unseren Obristen
Timan Diedrich von Lintelo aus dem Hause Valbert handelt.
Möglicherweise haben die Naussau-Siegenschen Räte
die Personen des namengleichen Generalwachtmeisters Timan
von Lintelo aus Bayern mit dem Obristen aus Haus Valbert
verwechselt. Bei dem Bayern handelt es sich um einen nahen Verwandten
des ermordeten Obristen Timan von Lintelo. Geboren um
1567 gestorben am 22.4.1650. Er wurde am 6.8.1623 bayerischer
Generalwachtmeister und am 28.12.1636 kaiserlicher Feldzeugmeister.
Ev. ist er sogar Taufpate des Sauerländers. In dem Ehevertrag
von 1628 sowie in der Festsetzung der Erbschaft der Witwe Johann
von Lintelos taucht er als Zeuge auf. Er wird dort betitelt:
"Timan Theodorus von Lintelo zur Maes und Esens uff Dallhusen
und Frauenberg Ritter des heyl. römischen Reichs Kais.
May. auch Churf. Durchl. in Bayern und der Cathol. Liga General
Wachtmeistern der Cavallerie bestellten Reuter Obristen."
Auf einem Wappenrelief des Klosters Bocholt, dessen Wohltäter
er war, aus der Zeit um 1628 befindet sich folgende Inschrift:
"Tilmanns a Linteloo Caesar. Maiest. Generalis Catholicae
Ligae Vigiliarum Dux Baro in Dahlhausen etx. Benefactor."
Bei
dem Generalwachtmeister handelt es sich um den kurbayrischen
Obristen Timon von Lintelo, der in der Armee des Grafen
von Anholt diente. Er war zunächst Obrist und hatte
seit der Schlacht von Stadtlohn am 6. August 1623 den Rang eines
Generalwachtmeisters. Als solcher führte er ein bayrisches
Regiment zu Pferde an. Die 10 Reiterkompanien mit 1000 Pferden
wurden nach ihm "Lindelosche Reiter" genannt. Er wird in manchen
Schlachten erwähnt und ist bekannt für seine angewandte
Härte und die angerichteten Schäden. Im April 1629
war die Leibgarde des Generalwachtmeisters von Lintelo
in der Stadt Büren einquartiert und hauste dort auf übelste
Weise.
Die
weitere Geschichte von Haus Valbert.
Nach
dem Tode des Obristen ist bekannt, dass seiner Witwe an einer
Beilegung des Streites um das halbe Freistuhlgericht Oedingen
gelegen war. Am 6. Mai 1636 verzichtete sie auf alle Ansprüche
an dem Gericht. Zum Vormund ihrer minderjährigen Kinder
wurde Dietherich Esleben bestellt, der in dieser Funktion
von Rump zur Wenne mit dem Kielkens und Henriches Gut
zu Brenschede sowie Koninges Gut zu Oedingen belehnt wurde.
Susanne Spiegel lebte noch bis nach 1672. Am 7. Januar
1672 errichtete sie ihr Testament. Der Name Lintelo haftete
noch bis zur nächsten Generation an Haus Valbert. Die Erbfolge
trat offenbar zunächst Christian Ludwig von Lintelo
an, der mit Margarethe Elisabeth von Schade verheiratet
war. Christian Ludwig war bereits 1672 tot. Seine Tochter, als
Erbin des Gutes, heiratete in der zweiten Hälfte des 17.
Jh. Reinhardt Melcher von Buchholtz. Über deren
Tochter kam das Haus im 18. Jh. an die Familie Ketteler.
1788 verkaufte Freiherr Friedrich Ferdinand von Ketteler
das Gut Valbert für 9.500 Reichstaler an den Reichsfreiherrn
Clemens Lothar von Fürstenberg zu Herdringen.
Haus
Valbert war 1871 die Geburtsstätte des späteren Kölner
Erzbischofs Karl Joseph Kardinal Schulte.
Heute
steht das ursprüngliche Haus Valbert nicht mehr. Im Gelände
befinden sich noch Reste der Gräftenanlage, die zur Befestigung
des adeligen Hauses angelegt worden war. Nach dem 2. Weltkrieg
wurde an die Stelle ein Bauernhaus im Fachwerkstil erbaut.
In
Oedingen steht ein Denkmal des ermordeten Obristen von Lintelo,
das um 1990 von dem Bildhauer Friedrich Freiburg aus
Finnentrop-Lenhausen erstellt wurde.
An die Lintelos erinnert des weiteren eine Wegegabelung
in der Nähe des ehemaligen Haus Valbert längs des
Mühlenberges. Man nennt diese Gabelung das Valberter- oder
Linteloher Kreuz.
Quellen:
Auszüge aus: "Dillenburgischer Feldzug auf Haus Valbert",
Hintergründe zu Plünderungen und Brandschatzungen
im Amt Bilstein 1634/1635 von Martin Vormberg.
Albert K. Hömberg: Geschichtliche Nachrichten über
Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen und ihre
Besitzer. Aus dem Nachlass veröffentlicht, Heft 7, Münster
1974.